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Deutsche und russische Familien: Die vergessenen Bande einer tausendjährigen Verbindung

deutsch-russische Verbundenheit

Geneigte Leserschaft,

während heute von einer “Zeitenwende” und drohenden Konfrontationen zwischen Deutschland und Russland die Rede ist, verschweigt die öffentliche Diskussion eine fundamentale Wahrheit: Beide Völker sind durch Millionen von Familienverbindungen über Jahrhunderte hinweg untrennbar miteinander verwoben. Diese Verbindungen reichen weit über die bekannten Russlanddeutschen hinaus und stellen nicht nur die Kriegsrhetorik in Frage, sondern werfen auch grundlegende verfassungsrechtliche Fragen auf.

“Die Welt wäre um ein vielfaches besser…” – Eine Geschichte familiärer Verflechtungen

Wie Francesco del Orbe zu sagen pflegte: “Die Welt wäre um ein vielfaches besser, wenn wir mehr auf unseren gesunden Menschenverstand hören, uns Zeit füreinander nehmen und allem mit Respekt begegnen würden – der Natur, den Tieren und uns selbst.” Dieser Respekt gegenüber familiären Banden zwischen den Völkern scheint heute vergessen zu sein.

Die deutsch-russischen Verflechtungen beginnen bereits im Mittelalter. Deutsche Kaufleute gründeten um 1200 Handelsniederlassungen in Nowgorod, während sich über Jahrhunderte hinweg intensive kulturelle und familiäre Beziehungen entwickelten. Aber der entscheidende Wendepunkt kam mit Katharina der Großen.

Katharina die Große: Als Deutsche den russischen Thron bestiegen

1729 wurde Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst in Stettin geboren – später bekannt als Katharina II., Kaiserin aller Reußen. Diese deutsche Prinzessin aus dem Fürstentum Anhalt-Zerbst holte systematisch Deutsche ins Zarenreich: Wissenschaftler, Handwerker, Bauern, Beamte. Ihr Manifest von 1763 lockte Zehntausende deutscher Familien an die Wolga und ins Schwarzmeergebiet.

Noch bemerkenswerter ist jedoch, dass nach 1762 faktisch eine deutsche Dynastie über Russland herrschte. Peter III., Katharinas Ehemann, war Peter Ulrich von Holstein-Gottorp – ein deutscher Prinz. Alle nachfolgenden Zaren bis 1917 entstammten dieser deutsch-russischen Linie des Hauses Romanow-Holstein-Gottorp.

Die Zahlen sprechen für sich: 1897 lebten bereits über eine Million deutsche Kolonisten in Russland – 56 Prozent aller deutschstämmigen Menschen im Zarenreich. Davon 39 Prozent an der unteren Wolga, 37 Prozent im Schwarzmeergebiet, weitere in Wolhynien, im Kaukasus und in Sibirien.

Deutsch-Russen

Schlesien, Ostpreußen und die große Vertreibung

Die Dimensionen der deutsch-russischen Familienverflechtungen werden erst richtig deutlich, wenn man die Vertreibungen nach 1945 betrachtet. Zwischen 1944 und 1950 wurden rund zwölf Millionen Deutsche aus den Ostgebieten – Schlesien, Ostpreußen, Pommern, dem Sudetenland – vertrieben oder flüchteten nach Westen.

Doch nicht alle kamen an. Schätzungsweise vier Millionen Deutsche verblieben östlich der Oder-Neiße-Linie, viele unter Zwang. Etwa die Hälfte dieser Menschen hatte enge Familienangehörige, die im Gebiet der damaligen Sowjetunion – heute Russland, Ukraine, Belarus – weiterlebten oder dorthin verschleppt wurden.

Die deutsche Kolonisation Schlesiens hatte bereits im 13. Jahrhundert begonnen. In Oberschlesien entstanden allein 20 Städte und über 200 Dörfer nach deutschem Recht. Die jahrhundertelange Besiedlung führte zu komplexen Familienverflechtungen zwischen deutschen, polnischen und später auch russischen Familien. Diese Verbindungen wurden durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs zerrissen, aber nicht zerstört.

Russlanddeutsche heute: Unsichtbare Brücken zwischen den Völkern

Heute leben schätzungsweise 2,4 Millionen Russlanddeutsche und ihre Nachkommen in Deutschland. Doch diese offiziellen Zahlen erfassen nur einen Bruchteil der tatsächlichen Verflechtungen. Die sogenannte zweite und dritte Generation der Russlanddeutschen geht in keine Statistiken mehr ein.

Parallel dazu leben nach vorsichtigen Schätzungen noch immer 200.000 Menschen mit deutschen Wurzeln in Russland. Ihre Nachfahren haben oft deutsche Familiennamen, sprechen aber meist nur noch Russisch. Zwischen beiden Gruppen bestehen jedoch nach wie vor intensive familiäre Verbindungen.

Hinzu kommen etwa 2,5 Millionen russischsprachige Menschen in Deutschland. Diese Zahl umfasst nicht nur ethnische Russen, sondern auch Ukrainer, Weißrussen und Menschen aus anderen Völkern der ehemaligen Sowjetunion – viele mit deutschen Verwandten oder Ehepartnern.

Eine Modellrechnung der familiären Verflechtungen

Wie viele Menschen könnten heute tatsächlich durch deutsch-russische Familienbande verbunden sein? Eine vorsichtige Modellrechnung zeigt erschreckende Dimensionen:

Basis der Berechnung: Wir betrachten drei Verwandtschaftsgrade – Kernfamilie (Eltern und Kinder), Großfamilie ersten Grades (plus Großeltern und Geschwister der Eltern) und Großfamilie zweiten Grades (Onkel, Tanten, Cousins ersten Grades). Pro Ausgangsperson ergeben sich so etwa 28 potentielle Verwandte.

Russlanddeutsche in Deutschland: 600.000 × 28 × 60 Prozent aktive Verbindungen = 10,1 Millionen vernetzte Personen

Deutschstämmige in Russland: 200.000 × 28 × 60 Prozent = 3,4 Millionen vernetzte Personen

Vertriebenen-Nachfahren mit östlichen Verwandten: Etwa zwei Millionen Deutsche aus den Ostgebieten hatten Verwandte im sowjetischen Gebiet. Mit demselben Faktor: 2 Millionen × 28 × 60 Prozent = 33,6 Millionen Menschen

Gesamtsumme: Rund 47 Millionen Menschen in Deutschland und Russland könnten heute durch familiäre Bande grenzüberschreitend verbunden sein.

Diese Zahl mag übertrieben erscheinen, berücksichtigt aber die tausendjährige Geschichte der Verflechtungen, die systematische Ansiedlung unter Katharina II., die Millionen von Russlanddeutschen, die Vertreibungen nach 1945 und die komplexen Verwandtschaftsstrukturen über mehrere Generationen hinweg.

den Krieg verweigern

Kriegsdienstverweigerung: Wenn Brüder gegen Brüder kämpfen sollen

Diese familiären Verflechtungen werfen fundamentale verfassungsrechtliche Fragen auf. Was geschieht, wenn Deutschland und Russland in einen militärischen Konflikt geraten und Menschen gegen ihre eigenen Verwandten kämpfen sollen?

Das Grundgesetz gibt hier eine klare Antwort: Artikel 4 Absatz 3 garantiert das Recht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen. “Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.”

Dieses Recht ist umfassend geschützt:

Keine Beweispflicht für konkrete Verwandtschaft: Sie müssen nicht nachweisen, dass Sie tatsächlich Verwandte in Russland haben. Es genügt die glaubhafte Darlegung, dass Sie aus Gewissensgründen nicht gegen Menschen kämpfen wollen, zu denen Sie möglicherweise familiäre Bindungen haben.

Präventive Verweigerung möglich: Sie können bereits “vorbeugend” den Kriegsdienst verweigern, wenn Sie für sich die Möglichkeit in Betracht ziehen, Verwandte im gegnerischen Land zu haben.

Auch im Verteidigungsfall geschützt: Selbst wenn Deutschland angegriffen wird und die Wehrpflicht wieder eingeführt wird, bleibt das Verweigerungsrecht bestehen. Verweigerer werden zum Ersatzdienst eingeteilt – Sanitätsdienst, Katastrophenschutz, Zivilschutz.

Schutz für Berufssoldaten: Auch Berufssoldaten können nachträglich Gewissensgründe geltend machen und den weiteren Militärdienst verweigern.

“Wenn du wirklich sicher sein willst, dass etwas getan wird…”

Angesichts von 47 Millionen potentiell familiär verflochtenen Menschen stellt sich eine brisante Frage: Wie kriegstüchtig ist eine Gesellschaft, in der Millionen von Bürgern berechtigte Gewissensgründe gegen einen Krieg geltend machen können?

Die Antwort liegt in unserem Hauptslogan: “Wenn du wirklich sicher sein willst, dass etwas getan wird, dann tu es einfach selbst!” Aber was, wenn das, was getan werden soll, gegen die eigene Familie gerichtet ist?

Die Realität ist: Deutschland kann niemanden zwingen, gegen Russland zu kämpfen, der glaubhaft darlegt, dort Verwandte zu haben oder haben zu können. Bei 47 Millionen potentiell Betroffenen würde das die gesamte Kriegsführung in Frage stellen.

Zwischen zwei Heimaten: Die doppelte Fremdheit der Russlanddeutschen

Die Situation der Russlanddeutschen heute verdeutlicht die Komplexität der Verflechtungen. Swetlana Jungkind aus Neu-Ulm, 1992 mit 15 Jahren nach Deutschland gekommen, beschreibt das Dilemma ihrer Familie: “Mein Sohn sagt, er ist Russe. Und ich sage ihm: Quatsch, was bist du denn für ein Russe? Du bist doch eine deutsche Kartoffel!”

Diese “doppelte Fremdheit” – weder richtig deutsch noch richtig russisch – prägt Millionen von Menschen. Sie wurden “in eine Heimat gebracht, von der sie gar nichts wussten, außer, dass sie angeblich dort hingehörten”. Gleichzeitig haben viele noch intensive Kontakte zu Verwandten in Russland.

Für diese Menschen ist ein deutsch-russischer Konflikt nicht abstrakte Geopolitik, sondern zerreißt konkrete Familienbande. Igor aus der berühmten “Russendisco” verkörpert diese Zerrissenheit: “zwei Heimaten zu haben, die beide nicht so ganz Heimat sind. Zwei Nichtheimaten, das trifft es vielleicht besser.”

wir sind eine Familie

Eine rechtliche und moralische Zwickmühle

Die verfassungsrechtlichen Implikationen gehen weit über die Kriegsdienstverweigerung hinaus:

Loyalitätskonflikte im öffentlichen Dienst: Menschen mit engen familiären Bindungen zu Russland könnten aus sicherheitsrelevanten Positionen gedrängt werden. Das betrifft potentiell Millionen von Bürgern.

Diskriminierung aufgrund der Herkunft: Russlanddeutsche und ihre Nachkommen könnten unter Generalverdacht geraten – ein Verstoß gegen Artikel 3 des Grundgesetzes.

Sprachliche und kulturelle Identität: Die Russischsprachigkeit wird zunehmend stigmatisiert, obwohl sie für viele Deutsche Teil ihrer Identität ist.

Die vergessene Erdenhüter-Perspektive

Als Erdenhüter müssen wir diese Situation in einem größeren Zusammenhang sehen. Francesco del Orbe lehrte uns: Die Natur, die Tiere und wir Menschen selbst verdienen Respekt. Dazu gehört auch der Respekt vor gewachsenen familiären und kulturellen Verbindungen zwischen den Völkern.

Wir sind Member des Global Alliance for the Rights of Nature (GARN) und kämpfen dafür, der Erde Rechte zu geben. Aber können wir der Erde Rechte geben, während wir die natürlichen Verbindungen zwischen den Menschen mit Füßen treten?

Die deutsch-russischen Familienbande sind Teil unseres “Kinderzimmers Erde”. Wenn wir erwachsen wären, würden wir niemals mit einem Bulldozer durch unser Wohn- oder Schlafzimmer fahren. Genau das tun wir aber, wenn wir Familien zwingen, gegeneinander zu kämpfen.

Ein positiver Earthprint für Menschlichkeit

Unser Earthprint-Konzept – der positive, regenerative Einfluss auf das gesamte Erdsystem – muss auch die menschlichen Beziehungen umfassen. Statt Familienbande als Sicherheitsrisiko zu betrachten, sollten wir sie als Brücken für Verständigung und Frieden nutzen.

47 Millionen familiär verflochtene Menschen sind keine Bedrohung – sie sind die natürliche Grundlage für eine friedliche Koexistenz. Ihre Existenz zeigt, dass Völker nicht von Natur aus Feinde sind, sondern durch jahrhundertelange Geschichte miteinander verwoben.

“Hilf uns einen lebenswerten Planeten zu schaffen”

Unser zweiter Slogan lautet: “Hilf uns einen lebenswerten Planeten für ein glückliches und gesundes Leben und Miteinander zu schaffen.” Ein Planet, auf dem Familien gegeneinander kämpfen müssen, ist weder lebenswert noch glücklich.

Die Alternative ist klar: Statt Kriegsrhetorik brauchen wir eine Politik, die familiäre und kulturelle Verbindungen als Grundlage für Verständigung nutzt. Die 47 Millionen deutsch-russisch verflochtenen Menschen könnten Botschafter des Friedens sein – wenn wir sie lassen.

Vom Zerstören zum Erschaffen: Ein Fazit der Hoffnung

Die deutsch-russischen Familienbande sind eine historische Tatsache, die sich nicht wegdiskutieren lässt. Sie stellen die aktuelle Kriegsrhetorik in Frage und zeigen verfassungsrechtliche Grenzen der Kriegstüchtigkeit auf.

Als Erdenhüter wissen wir: “Tu es selbst – für alle Lebewesen.” Das bedeutet auch, Verantwortung für die Bewahrung menschlicher Verbindungen zu übernehmen. Die 47 Millionen familiär verflochtenen Menschen zwischen Deutschland und Russland sind nicht das Problem – sie sind die Lösung.

Ihre Existenz beweist, dass beide Völker natürliche Partner sind. Statt sie als Sicherheitsrisiko zu betrachten, sollten wir sie als lebende Brücken für Verständigung und Frieden würdigen. Denn wie Francesco del Orbe sagte: Die Welt wäre um ein vielfaches besser, wenn wir allem mit Respekt begegnen würden – auch den familiären Banden, die Völker über Jahrhunderte hinweg verbinden.

Lasst uns gemeinsam die entsprechende Petition unterzeichnen (https://www.rightsofmotherearth.com/what-we-do) und die Erde schützen – einschließlich der menschlichen Familien, die auf ihr leben und sie zu einem lebenswerten Ort für alle machen können.

 


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