Europa und die Welt, Menschen- & Grundrechte
Freiheit in der modernen Welt – Vom leeren Versprechen zur tatsächlichen Teilhabe

moderne-freiheit

Freiheit gilt als höchstes Gut freier Gesellschaften: Sie verspricht Selbstbestimmung, Autonomie und Schutz vor Zwang. Doch in unserem Alltag spüren viele Menschen, dass diese Freiheit eher eine Illusion ist – geformt von wirtschaftlichen Zwängen, political Lobbystrukturen und digitalen Überwachungsmechanismen. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Gedanken und Recherchen aus unserem ausführlichen Dialog zusammen, um auch unbedarften Leserinnen und Lesern zu zeigen, wie substanzielle Freiheit jenseits formaler Rechte aussehen kann.

„Die Freiheit ist nicht einfach das Fehlen von Ketten” – Was Philosophen unter echter Autonomie verstehen

Freiheit erscheint zunächst simpel: die Abwesenheit von Zwang und Bevormundung. Doch diese naive Sichtweise greift zu kurz. Die Philosophie unterscheidet zwischen negativer Freiheit (Freiheit „von” etwas) und positiver Freiheit (Freiheit „zu” etwas).

Negative Freiheit beschreibt das Freisein von äußeren Zwängen, Eingriffen und Beschränkungen. Sie umfasst klassische Abwehrrechte wie Religionsfreiheit, freie Meinungsäußerung oder Schutz vor willkürlicher Verhaftung. Ein Beispiel: Niemand darf Sie daran hindern, ein Buch zu schreiben oder Ihre politische Meinung zu äußern.

Positive Freiheit hingegen bezeichnet die tatsächliche Fähigkeit und Macht, eigene Ziele zu verfolgen und das Leben aktiv zu gestalten. Es reicht nicht aus, dass keine Verbote bestehen – Sie müssen auch die Mittel, das Wissen und die Gelegenheit haben, Ihre Vorstellungen umzusetzen. Zurück zum Buchbeispiel: Ohne Bildung, Zeit oder finanzielle Sicherheit bleibt das Recht zu schreiben eine leere Hülle.

Eine weitere wichtige Unterscheidung betrifft innere versus äußere Freiheit. Äußere Freiheit bezieht sich auf rechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, während innere Freiheit die geistige und emotionale Unabhängigkeit von Ängsten, Süchten oder irrationalen Denkmustern beschreibt. Selbst in einem freien Rechtsstaat kann jemand innerlich unfrei sein – gefangen in Selbstzweifeln oder von Konsumzwängen getrieben.

Diese philosophischen Unterscheidungen sind keine akademischen Spitzfindigkeiten, sondern erklären, warum sich viele Menschen trotz formaler Rechte unfrei fühlen: Ihnen fehlt entweder die positive Macht zur Selbstverwirklichung oder die innere Befreiung von gesellschaftlichen Erwartungen und persönlichen Blockaden.

Warum uns zu viele Möglichkeiten unglücklich machen – Das Paradox der Überauswahl

Moderne Gesellschaften bieten eine schwindelerregende Vielfalt an Optionen: Tausende Fernsehkanäle, unzählige Studiengänge, endlose Dating-Apps, grenzenlose Reisemöglichkeiten. Was nach ultimativer Freiheit klingt, entpuppt sich oft als psychologische Falle.

Das Phänomen der Entscheidungsermüdung beschreibt, wie zu viele Wahlmöglichkeiten Stress und Unzufriedenheit erzeugen. Jede Entscheidung wird zur Qual, weil sie potenziell suboptimal sein könnte. Der Psychologe Barry Schwartz nennt dies das „Paradox der Wahl”: Menschen mit mehr Optionen sind häufig weniger zufrieden als solche mit begrenzten, aber klaren Alternativen.

Verstärkt wird dieses Problem durch sozialen Vergleichsdruck, besonders in den digitalen Medien. Instagram, LinkedIn und Facebook präsentieren ständig andere Lebensentwürfe, die scheinbar erfolgreicher, glücklicher oder erfüllter erscheinen. So entsteht der Eindruck, die falschen Entscheidungen getroffen zu haben – obwohl die eigenen Optionen objektiv gut waren.

Ein praktisches Beispiel: Früher heirateten Menschen oft innerhalb ihrer Dorfgemeinschaft. Die Auswahl war begrenzt, aber die Erwartungen klar definiert. Heute stehen theoretisch Millionen potentieller Partner zur Verfügung, doch viele Singles leiden unter der Angst, nicht den „perfekten Match” zu finden. Die endlosen Möglichkeiten führen zu chronischer Unentschlossenheit und dem ständigen Gefühl, etwas Besseres zu verpassen.

Diese Überauswahl beschränkt sich nicht auf private Entscheidungen. Auch politische Partizipation leidet darunter: Wer sich zwischen Dutzenden Parteien, Hunderten politischen Themen und Tausenden Meinungsäußerungen orientieren soll, gibt oft resigniert auf oder folgt den lautesten Stimmen – ohne echte Meinungsbildung.

Ökonomische Ketten im Land der Freien – Wenn Existenzangst politische Teilhabe verhindert

Formale politische Rechte sind wertlos, wenn Menschen zu sehr mit dem Überleben beschäftigt sind, um sie wahrzunehmen. Prekäre Arbeitsverhältnisse, befristete Verträge und explorierende Lebenshaltungskosten schaffen neue Formen der Unfreiheit, die subtiler, aber nicht weniger wirksam sind als historische Unterdrückung.

Wer jeden Monat um die Miete kämpft, hat wenig Kapazität für langfristige politische Engagements. Wer ständig Angst vor Jobverlust haben muss, wird sich hüten, kontroverse politische Positionen zu vertreten. Wer drei Nebenjobs braucht, um über die Runden zu kommen, findet keine Zeit für Bürgerversammlungen oder ehrenamtliche Arbeit.

Diese ökonomischen Zwänge sind besonders perfide, weil sie als individuelle Verantwortung getarnt werden. „Du bist für dein Glück selbst verantwortlich” und „Jeder ist seines Glückes Schmied” sind beliebte Mantras neoliberaler Ideologie. In Wirklichkeit aber schränken strukturelle Bedingungen die Handlungsmöglichkeiten massiv ein.

Ein konkretes Beispiel: Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Minijobs kann theoretisch an Stadtratssitzungen teilnehmen. Praktisch aber fehlen ihr Zeit, Energie und oft auch das Selbstvertrauen, sich neben Akademikern und Geschäftsleuten zu Wort zu melden. Ihre Stimme bleibt ungehört – nicht wegen rechtlicher Beschränkungen, sondern wegen fehlender positiver Freiheit.

Ähnlich verhält es sich mit digitaler Partizipation: Online-Konsultationen und E-Voting-Systeme versprechen mehr Teilhabe, erreichen aber hauptsächlich gut ausgebildete, technisch versierte Bürger mit stabilen Internetverbindungen und ausreichend Freizeit. Menschen in prekären Verhältnissen bleiben auch digital außen vor.

Freiheit als Lüge

„Datenkraken und Algorithmus-Herrscher” – Wie die digitale Revolution unsere Selbstbestimmung untergräbt

Das Internet versprach grenzenlose Information und globale Vernetzung. Stattdessen entstanden neue Formen der Kontrolle, die subtiler und allgegenwärtiger sind als jede historische Zensur. Informationelle Selbstbestimmung – das Recht, über die eigenen Daten zu bestimmen – wird zur zentralen Freiheitsfrage des 21. Jahrhunderts.

Das Problem beginnt mit Informationsasymmetrie: Während Nutzer kaum verstehen, welche Daten gesammelt und wie sie verwendet werden, verfügen Plattformkonzerne über detaillierte Profile ihrer Nutzer. Diese Profile ermöglichen nicht nur gezielte Werbung, sondern auch subtile Verhaltensmanipulation durch personalisierte Inhalte und Nudges.

Ein Beispiel: Suchmaschinen zeigen verschiedenen Nutzern unterschiedliche Ergebnisse basierend auf ihren bisherigen Suchanfragen, dem Standort und demografischen Daten. Was als Service vermarktet wird („relevantere Resultate”), schränkt tatsächlich den Informationshorizont ein. Zwei Menschen, die dasselbe Thema recherchieren, erhalten völlig verschiedene Informationen und entwickeln entsprechend unterschiedliche Meinungen – ohne es zu merken.

Recommendation Engines bei YouTube, Netflix oder Amazon lenken unsere Aufmerksamkeit auf Inhalte, die hohe Engagement-Raten versprechen. Das führt oft zu Filterblasen und Echokammern, in denen bestehende Überzeugungen verstärkt statt hinterfragt werden. Die scheinbar freie Wahl zwischen Millionen Videos oder Produkten ist in Wahrheit durch Algorithmen vorselektiert.

Noch problematischer sind Scoring-Systeme, die Menschen basierend auf digitalen Spuren bewerten. Kreditwürdigkeit, Versicherungsprämien oder sogar Jobchancen hängen zunehmend von Datenauswertungen ab, die für Betroffene weder nachvollziehbar noch anfechtbar sind. Wer einmal als „risikoreich” eingestuft wird, kann in eine Spirale der Benachteiligung geraten – ohne zu wissen warum.

Die COVID-19-Pandemie beschleunigte diese Entwicklung dramatisch: Contact-Tracing-Apps, digitale Impfpässe und bewegungsüberwachende Systeme etablierten Überwachungsstrukturen, die auch nach der Pandemie bestehen bleiben. Was als temporäre Notmaßnahme begann, normalisiert sich zur dauerhaften Kontrolltechnologie.

Lobbyismus in Brüssel – Wie 30.000 Termine den Bürgerwillen aushebeln

Die Europäische Union verspricht demokratische Teilhabe und Bürgernähe, doch die Realität sieht anders aus. Eine Analyse der dokumentierten Kontakte zwischen EU-Abgeordneten und Interessenvertretern offenbart ein extremes Machtungleichgewicht: Über 30.000 Lobby-Treffen fanden allein im letzten Jahr statt. Die überwiegende Mehrheit davon mit Vertretern von Unternehmen und Wirtschaftsverbänden.

Demgegenüber stehen nur zehn erfolgreiche Europäische Bürgerinitiativen seit 2012, die rechtlich bindende Maßnahmen erzielten. Die meisten Bürgerinitiativen scheitern bereits an den hohen Hürden beim Unterschriftensammeln oder versanden in den Brüsseler Verwaltungsabläufen, ohne je ernsthafte politische Konsequenzen zu zeitigen.

Diese Zahlen verdeutlichen eine strukturelle Asymmetrie: Während professionelle Lobbyisten täglich Zugang zu Entscheidungsträgern haben, verfügen normale Bürger über keine vergleichbaren Einflusskanäle. Ein Wirtschaftsverband kann innerhalb weniger Tage Termine bei mehreren Kommissaren vereinbaren, eine Bürgerinitiative braucht Jahre, um überhaupt eine Anhörung zu bekommen.

Das System wird durch Revolving Door-Effekte verstärkt: Politiker wechseln nach ihrer Amtszeit häufig in lukrative Lobby- oder Managementpositionen bei genau den Unternehmen, die sie zuvor reguliert haben. Diese Aussicht auf gut bezahlte Jobs nach der politischen Laufbahn beeinflusst bereits Entscheidungen während der Amtszeit.

Intransparenz verschärft das Problem: Viele Lobbytreffen finden informell statt und werden nicht dokumentiert. Selbst bei dokumentierten Treffen erfahren Bürger selten, welche konkreten Anliegen besprochen und wie Entscheidungen beeinflusst wurden. Das EU-Transparenzregister ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, erfasst aber nur einen Bruchteil der tatsächlichen Einflussnahme.

Ein konkretes Beispiel: Bei der Diskussion über die DSGVO führten Digitalkonzerne hunderte Lobbygespräche und investierten Millionen in Kampagnen gegen strenge Datenschutzregeln. Bürgerrechtsorganisationen hatten weder die finanziellen Mittel noch den institutionellen Zugang für eine vergleichbare Einflussnahme. Dass die DSGVO trotzdem verabschiedet wurde, lag hauptsächlich an öffentlichem Druck nach Datenschutzskandalen – nicht an strukturell ausgewogener Interessenvertretung.

„Ernst genommen werden ist ein Grundrecht” – Warum symbolische Beteiligung Freiheit untergräbt

Echte Freiheit bedeutet nicht nur, formal mitbestimmen zu dürfen, sondern ernst genommen zu werden. Viele moderne Beteiligungsformate sind jedoch reine Alibi-Veranstaltungen: Sie erwecken den Anschein von Mitsprache, ohne tatsächlichen Einfluss zu gewähren.

Typische Beispiele sind Online-Konsultationen zu bereits feststehenden Gesetzentwürfen. Bürger dürfen Kommentare abgeben, die dann in einem Bericht zusammengefasst werden – aber konkrete Änderungen an den Gesetzen sind selten nachweisbar. Nach Monaten erhalten Teilnehmer eine Standardantwort, die höflich für das Engagement dankt, aber keine substanziellen Anpassungen verspricht.

Ähnlich verhält es sich mit Bürgerdialogen und Town Hall Meetings: Politiker stellen sich den Fragen der Bevölkerung, geben wohlklingende Antworten und verschwinden dann wieder in ihren Ministerien. Konkrete Zusagen sind selten, Nachfassaktionen noch seltener. Bürger verlassen solche Veranstaltungen oft mit dem Eindruck, dass ihre Anliegen zwar angehört, aber nicht ernstgenommen wurden.

Diese Pseudo-Partizipation ist sogar schädlicher als offene Verweigerung von Beteiligung, weil sie Hoffnungen weckt und dann enttäuscht. Menschen, die einmal die Erfahrung machen, dass ihre Meinung ignoriert wird, obwohl sie formal eingeladen waren, sie zu äußern, entwickeln oft dauerhaftes Misstrauen gegenüber demokratischen Institutionen.

Wirkliche Teilhabe hingegen zeichnet sich durch drei Kriterien aus: Verbindlichkeit (Bürgervoten müssen umgesetzt werden), Transparenz (Entscheidungsprozesse sind nachvollziehbar) und Rechenschaftspflicht (Verantwortliche müssen Abweichungen begründen). Nur wenn diese Kriterien erfüllt sind, erleben Menschen echte politische Selbstwirksamkeit.

Ein positives Beispiel sind partizipative Haushalte in verschiedenen Städten: Bürger entscheiden direkt über einen Teil des kommunalen Budgets. Ihre Beschlüsse werden verbindlich umgesetzt, der Prozess ist transparent dokumentiert und Politiker müssen öffentlich begründen, wenn Vorschläge aus rechtlichen oder technischen Gründen nicht realisierbar sind. Solche Verfahren stärken das Vertrauen in demokratische Institutionen, weil Menschen spürbare Wirkung ihrer Beteiligung erleben.

ernst nehmen

Vision einer funktionierenden Bürgerlobby – Digitale Demokratie mit Blockchain und Bürgerterminen

Stellen Sie sich ein politisches System vor, in dem Bürger genauso selbstverständlichen Zugang zu Entscheidungsträgern haben wie professionelle Lobbyisten. Eine moderne Bürgerlobby würde diese Vision durch eine Kombination aus digitalen Plattformen, institutionellen Reformen und technischen Innovationen verwirklichen.

Das Herzstück wäre eine digitale Plattform mit zertifizierter Anmeldung über den elektronischen Personalausweis, um Mehrfachregistrierungen und Bot-Aktivitäten zu verhindern. Thematische Räume für verschiedene Politikbereiche (Klima, Verkehr, Gesundheit, Soziales) würden strukturierte Debatten ermöglichen. Deliberative Module mit vorgegebenen Redezeiten, faktenbasierten Argumentpools und anonymisiertem Feedback sorgen für sachliche Diskussionen ohne persönliche Angriffe.

Losbasierte Bürgerräte würden bei komplexen Themen wie Klimaschutz oder Verkehrsplanung zum Einsatz kommen. Zufällig ausgewählte, demographisch repräsentative Gruppen beraten mehrere Wochenenden intensiv mit Expertenhilfe und formulieren verbindliche Empfehlungen für die Politik. Dieses System kombiniert die Legitimität direkter Demokratie mit der Sachkompetenz deliberativer Verfahren.

Regionale Bürgerforen würden die lokale Verankerung sicherstellen: Quartiersversammlungen legen Prioritäten fest und wählen Delegierte für übergeordnete Räte. Diese Delegierten sind zeitlich begrenzt mandatiert und können per Rückrufmechanismus abberufen werden, wenn sie das Vertrauen ihrer Basis verlieren.

Blockchain-Technologie könnte Abstimmungen fälschungssicher dokumentieren und Smart Contracts automatisieren: Wenn ein Bürgervorschlag eine bestimmte Unterstützung erreicht, werden automatisch parlamentarische Beratungen ausgelöst oder Budgetmittel freigegeben. So entstehen verbindliche Verfahren ohne Manipulation durch Verwaltung oder Politik.

Transparenzregister würden alle Kontakte zwischen Interessenvertretern und Politikern in Echtzeit dokumentieren. Bürger könnten nachvollziehen, wer wann mit welchem Anliegen bei Entscheidern vorgesprochen hat. Gleichzeitig hätten sie selbst über die Bürgerplattform direkten, strukturierten Zugang zu denselben Politikern.

Strukturreformen für echte Teilhabe – Grundeinkommen, Arbeitszeitverkürzung und Genossenschaftsmodelle

Politische Partizipation setzt voraus, dass Menschen Zeit, Energie und finanzielle Sicherheit haben. Ohne ökonomische Reformen bleiben auch die besten Beteiligungsverfahren elitäre Veranstaltungen für Besserverdiener mit flexiblen Arbeitszeiten.

Bedingungsloses Grundeinkommen (UBI) würde die Kopplung zwischen Überleben und Lohnarbeit aufheben. Menschen könnten Risiken eingehen, unbequeme politische Positionen vertreten oder Zeit in ehrenamtliche Arbeit investieren, ohne Existenzangst haben zu müssen. Studien aus Pilotprojekten zeigen: UBI-Empfänger engagieren sich häufiger gesellschaftlich und entwickeln mehr politisches Interesse.

Arbeitszeitverkürzung bei Lohnausgleich – etwa eine 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich – würde Allen mehr Zeit für Familie, Bildung und Engagement verschaffen. Die Produktivitätssteigerungen der letzten Jahrzehnte kämen endlich bei den Arbeitnehmern an, statt nur Unternehmensgewinne zu maximieren.

Genossenschaftliche Unternehmensformen und erweiterte Mitbestimmung würden Demokratie auch in der Wirtschaft verankern. Wenn Beschäftigte über Investitionen, Arbeitsorganisation und Unternehmensstrategien mitentscheiden können, entwickeln sie demokratische Kompetenzen, die sie auch politisch einsetzen. Länder mit starker Mitbestimmungstradition wie Deutschland oder Schweden zeigen höhere politische Partizipationsraten.

Progressive Vermögenssteuern und Erbschaftssteuern würden extreme Vermögenskonzentrationen verhindern, die politischen Einfluss käuflich machen. Wenn einzelne Milliardäre ganze Wahlkämpfe finanzieren oder Medienimperien kontrollieren können, wird Demokratie zur Farce.

Diese Reformen verstärken sich gegenseitig: Ökonomisch abgesicherte Menschen können sich politisch engagieren, demokratisch erfahrene Bürger fordern bessere Beteiligungsverfahren, transparente Systeme erschweren Korruption und Einflussnahme durch Konzerne.

Freiheit und Verantwortung als untrennbares Paar

Mit echter Freiheit ist immer Verantwortung verbunden. Wer über Haushaltsmittel entscheidet, muss auch die Konsequenzen fehlgeschlagener Investitionen tragen. Wer politische Rechte in Anspruch nimmt, sollte sich auch über gesellschaftliche Zusammenhänge informieren und das Gemeinwohl im Blick behalten.

Diese Verbindung ist das Gegengift zu „Narrenfreiheit”, die nur eigene Vorteile sucht ohne Rücksicht auf andere. Demokratische Partizipation funktioniert nur, wenn Teilnehmer bereit sind, Kompromisse zu schließen, andere Meinungen zu respektieren und auch unpopuläre, aber notwendige Entscheidungen mitzutragen.

Politische Bildung wird so zur Bürgerplicht. Nicht im Sinne ideologischer Indoktrination, sondern als Befähigung zu informierten Entscheidungen. Wer über Klimapolitik abstimmen will, sollte wissenschaftliche Grundlagen verstehen. Wer über Haushaltsfragen mitentscheidet, braucht ökonomische Grundkenntnisse. Wer gesellschaftliche Reformen vorantreibt, sollte historische Beispiele studiert haben.

Gleichzeitig müssen Rahmenbedingungen stimmen: Komplexe Sachverhalte müssen verständlich aufbereitet werden, Experten sollten als neutrale Berater zur Verfügung stehen, und Entscheidungsverfahren müssen so gestaltet sein, dass auch Menschen mit begrenzter Zeit sinnvoll teilnehmen können.

Erdenhüter werden – Für echte Demokratie und lebendige Erde

Als Erdenhüter verstehen wir: Demokratie und Umweltschutz gehören untrennbar zusammen. Nur in freien Gesellschaften können Menschen langfristig denken und Verantwortung für künftige Generationen übernehmen. Autoritäre Systeme mögen kurzfristig effizient erscheinen, aber sie zerstören sowohl demokratische Kultur als auch natürliche Lebensgrundlagen.

Wenn du wirklich sicher sein willst, dass etwas getan wird, dann tu es einfach selbst!” Dieser Grundsatz der Erdenhüter gilt auch für Demokratiereform. Statt auf Politiker zu warten, die ihre eigenen Privilegien beschneiden, müssen wir Bürger selbst aktiv werden und Druck von unten aufbauen.

Schaffen wir einen positiven Earthprint für unsere Demokratie, so wie wir ihn für unseren Planeten anstreben. Unterstützen Sie transparente Politik, digitale Bürgerbeteiligung und ökonomische Reformen, die allen Menschen echte Teilhabe ermöglichen.

Als Member der Global Alliance for the Rights of Nature (GARN) kämpfen wir für die Rechte unserer „Kinderzimmer Erde”. Unterzeichnen Sie die Petition unter https://www.rightsofmotherearth.com/what-we-do und werden Sie Teil einer globalen Bewegung für Demokratie und Nachhaltigkeit.

Von der Theorie zur Praxis – Erste Schritte zu mehr Freiheit

Freiheit entsteht nicht durch Warten, sondern durch Handeln. Hier sind konkrete Schritte, die jeder von uns gehen kann:

Lokal anfangen: Beteiligen Sie sich an Bürgerversammlungen, Stadtratssitzungen oder Bürgerhaushalten in Ihrer Kommune. Lokale Politik ist oft direkter und wirkungsvoller als nationale Ebenen.

Digital vernetzen: Nutzen Sie Plattformen für Bürgerbeteiligung, schließen Sie sich Online-Initiativen an und teilen Sie Informationen über soziale Medien – aber reflektiert und faktenbasiert.

Politische Bildung: Informieren Sie sich über demokratische Verfahren, politische Entscheidungsprozesse und gesellschaftliche Zusammenhänge. Nur wer versteht, wie das System funktioniert, kann es verbessern.

Transparenz einfordern: Stellen Sie Informationsfreiheitsanfragen, fordern Sie Rechenschaft von gewählten Vertretern und unterstützen Sie Organisationen, die Korruption und Lobbyismus aufdecken.

Ökonomische Demokratie: Bevorzugen Sie genossenschaftliche Unternehmen, achten Sie auf Mitbestimmung in Ihrem Arbeitsbereich und unterstützen Sie Initiativen für Grundeinkommen und Arbeitszeitverkürzung.

Selbst handeln. Gemeinsam wandeln.” Nur so wird aus dem leeren Versprechen formaler Freiheit eine lebendige, partizipative Demokratie, in der alle Menschen ernst genommen werden und gemeinsam Verantwortung für eine lebenswerte Zukunft tragen.

Die Welt wäre um ein vielfaches besser, wenn wir mehr auf unseren gesunden Menschenverstand hören, uns Zeit füreinander nehmen und allem mit Respekt begegnen würden – der Natur, den Tieren und uns selbst. (Francesco del Orbe)

Hilf uns einen lebenswerten Planeten für ein glückliches und gesundes Leben und Miteinander zu schaffen.

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.



Vorheriger Beitrag
Wenn wir die Wahrheit kennen wollen, müssen wir uns selbst auf den Weg machen
Nächster Beitrag
Wenn menschliches Leben zur Zahl wird

Auch interessant

Kategorien

Wer hier schreibt